Musik ist für mich...

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Margot Käßmann

Theologin

Mein Lieblingslied ist »Befiehl du deine Wege«. Ich habe es in drei verschiedenen Kontexten kennen- und liebengelernt. Das erste Mal hörte ich es meine Großmutter singen. Sie hatte viel erlebt, Krieg, Vertreibung, Flucht und dennoch schmetterte sie beim Kochen beispielsweise »Du meine Seele singe!« Aber wenn es schwierig wurde, einen Trauerfall gab, dann summte sie diese Melodie oder sang leise: » . der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann . « Später als junge Pfarrerin habe ich in diesem Lied bei den ersten Beerdigungen Halt gefunden. Ein Kind beerdigen müssen, einen Mann, der sich das Leben genommen hat, einen, der tragisch beim Autounfall ums Leben kam - da hatte ich manchmal Angst, dass mir die Stimme bricht oder ich anfange zu weinen, obwohl ich doch Trost und Halt geben soll. Das Singen hat mir Kraft zur Haltung gegeben, die notwendig ist, um Trost und Auferstehungshoffnung zu vermitteln: » . so gehen unsre Wege gewiss zum Himmel ein.« Schließlich in meinem eigenen Leben habe ich mich erlebt, wie ich selbst anfing zu summen oder leise zu singen, wenn ich mich in schier ausweglos erscheinenden Problemen wiederfand. Die eigenen Sorgen vor Gott bringen zu dürfen, hat mich ermutigt. Es hat mir Halt gegeben, die Worte Paul Gerhardts zu wiederholen, mich in ihnen einzufinden. Denn er selbst hat schwere Lebenserfahrungen und Glaubenszuversicht in seinen Liedern unnachahmlich verbunden: »Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein läßt Gott sich gar nichts nehmen . « »Befiehl du deine Wege / und was dein Herze kränkt, / der allertreusten Pflege / des, der den Himmel lenkt! / Der Wolken, Luft und Winden, / gibt Wege, Lauf und Bahn, / der wird auch Wege finden, / da dein Fuß gehen kann.« Text: Paul Gerhardt (1656), Melodie: Bartholomäus Gesius (1603)


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Publikationsdatum dieser Seite: Dienstag, 20. Juni 2017 12:25