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Choral oder Kirchenlied?

9. Sonntag nach Trinitatis 2018

Britta Martini (Kirchenmusikerin, Berlin)

Heute sagt man oft Choral, wenn man Kirchenlied meint: Im Choralbuch sind die Lieder in mehrstimmigen Orgelbegleitsätzen notiert. Die Organistin spielt zur Einleitung des Gemeindegesangs einen Orgelchoral oder eine Choralbearbeitung. Und der Chor singt eine Choralkantate.

Ursprünglich verband sich mit dem Begriff Choral der gregorianische Gesang der alten Kirche und des Mittelalters, also das einstimmige unbegleitete Singen liturgischer Gesänge. Auch heute wird ein Chor, der im Gottesdienst liturgische Gesänge einstimmig im Wechsel mit der Gemeinde singt, Choralschola genannt. In der Neuzeit und im evangelischen Umfeld wurde der Begriff Choral dann mit Kirchenliedern verknüpft. Später wandelte sich die Bedeutung von Choral – Kirchenlied erneut. Nun verstand man unter dem Begriff Choral eine getragene, rhythmisch gleichförmige Weise. Das langsame Singen war zu einem Erkennungszeichen des Kirchenlieds geworden.

Aus dieser Fessel konnte sich das Kirchenlied wieder lösen, das zeigen heutige Gesangbücher.

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Die Autorin der wöchentlichen Kolumne ist Kirchenmusikdirektorin in Berlin und als Studienleiterin für die kirchenmusikalische Aus- und Fortbildung in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) zuständig. Die Texte sind auch in "Die Kirche" erschienen (Evangelische Wochenzeitung der EKBO).




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Publikationsdatum dieser Seite: Dienstag, 23. Januar 2018 14:47