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Alternatim-Praxis

4. Sonntag nach Trinitatis 2018

Britta Martini (Kirchenmusikerin, Berlin)

Zu den heutigen Aufgaben der Organistin gehört die Begleitung des Gemeindegesangs im Gottesdienst. Das war nicht immer so. Seit dem 13. Jahrhundert gibt es Orgelmusik im Gottesdienst, sie ist völlig auf den liturgischen Gesang bezogen. Alles im Gottesdienst wurde gesungen: Lesungen und Gebete, im einfachen Sprechgesang gesungen von Lektor und Priester, die großen Gesänge wie Kyrie und Gloria in zunehmend kunstvoller Mehrstimmigkeit gesungen vom Chor, im Wechsel mit der Orgel. Diese sogenannte Alternatim-Praxis – einen Kyrie-Vers sang der Chor, den nächsten übernahm die Orgel, ohne Text – ist in vielen Quellen überliefert. Oft musste der Organist den Chorgesang auch einleiten und begleiten.

Noch im 16. Jahrhundert, nach Einführung des Gemeindegesangs in den lutherischen Kirchen, sang die Gemeinde ohne Orgelbegleitung, angeleitet durch einen Vorsänger, zuweilen aber im Wechsel mit der Orgel. Die Begleitung des Gemeindegesangs durch die Orgel wird erstmals in einem Hamburger Gesangbuch von 1604 erwähnt.

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Die Autorin der wöchentlichen Kolumne ist Kirchenmusikdirektorin in Berlin und als Studienleiterin für die kirchenmusikalische Aus- und Fortbildung in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) zuständig. Die Texte sind auch in "Die Kirche" erschienen (Evangelische Wochenzeitung der EKBO).




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Publikationsdatum dieser Seite: Dienstag, 23. Januar 2018 14:47