Kolumne

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Text und Melodie

Palmarum 2018

Britta Martini (Kirchenmusikerin, Berlin)

Das Kreuz ist aufgerichtet. So beginnt ein selten gesungenes Lied im Gesangbuch. Melodie und Text passen auf merkwürdige Weise zusammen: Da, wo im Text das Kreuz genannt wird, steht auch vor der Note ein Kreuz. Dann steigen die ersten drei Zeilen der Melodie langsam an, richten sich immer mehr auf, bis in der dritten Zeile der höchste Ton erreicht ist. Die folgenden Melodiezeilen senken sich langsam zurück zum Grundton, während der Text von menschlicher Sünde und Gottes Hingabe spricht. 

Auch in dem alten Lied „Gen Himmel aufgefahren ist“ wird der Text der ersten Zeile graphisch, hier: durch die aufsteigende Tonleiter, abgebildet. Die so aufgebaute Spannung passt gut zu den jubelnden restlichen Strophen.

Die Melodie eines der bekanntesten Lieder, O Haupt voll Blut und Wunden, gehört ursprünglich zu einem alten Liebeslied: Mein G’müt ist mir verwirret, das macht ein Jungfrau zart. Der betrachtende Affekt, der Text und Melodie gemeinsam ist, bleibt auch bei der heutigen Text-Melodie-Verbindung erhalten.

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Die Autorin der wöchentlichen Kolumne ist Kirchenmusikdirektorin in Berlin und als Studienleiterin für die kirchenmusikalische Aus- und Fortbildung in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) zuständig. Die Texte sind auch in "Die Kirche" erschienen (Evangelische Wochenzeitung der EKBO).




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Publikationsdatum dieser Seite: Dienstag, 23. Januar 2018 14:47