Das Klingen und Singen in der Ausbildung

Dass vielerorts zu einer Kirchengemeinde die Kirchenmusik selbstverständlich dazugehört, verdanken wir den ehrenamtlichen, nebenamtlichen und auch hauptamtlichen Kirchenmusikern. Für die Ausbildung gibt es unterschiedliche Möglichkeiten sowie unterschiedliche Wege in eine Anstellung.

Gunter Kennel (Kirchenmusiker und Theologe, Berlin)

Die ganze Kirche trägt Verantwortung für die Ausgestaltung der Kirchenmusik, sie überträgt diese Verantwortung jedoch in besonderer Weise auf ihre ausgebildeten Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker. Jede kirchenmusikalische Ausbildung basiert dabei auf dem vielfältigen kirchenmusikalischen Leben an der kirchlichen Basis. Dort werden auch häufig die Grundlagen für das Interesse an einer eigenen musikalischen Betätigung in religiösen Zusammenhängen gelegt, das in eine kirchenmusikalische Ausbildung münden kann. In Deutschland hat sich etwa seit den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein zunächst dreistufiges und später um eine vierte Stufe erweitertes System der kirchenmusikalischen Ausbildung entwickelt. Die sogenannte D-Prüfung, in einigen Landeskirchen auch Eignungsnachweis genannt, ist die jüngste der genannten Stufen. Sie stellt die einfachste kirchenmusikalische Qualifikation dar und setzt grundlegende musikalische Fähigkeiten voraus. Eine zumeist zweijährige Ausbildung führt zum Ablegen der Prüfung, die inzwischen fast flächendeckend in den Teilbereichen Chor-, Kinderchorleitung, Orgelspiel, Posaunenchorleitung oder Popularmusik angeboten wird. Fortentwickelte musikalische Fähigkeiten sind die Voraussetzung für das Ablegen der C-Prüfung für den nebenamtlichen Dienst. Die Anforderungen werden durch eine 2010 neu gefasste Rahmenordnung der Direktorenkonferenz für Evangelische Kirchenmusik geregelt, die wie bei der D-Prüfung die fünf oben genannten Fachrichtungen vorsieht. Diese Ausbildung ist noch nicht berufsqualifizierend und zielt auf eine Übernahme von C-Stellen als nebenamtlichen Teilzeitstellen. Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker mit der D- und C-Qualifikation werden zunehmend gebraucht, um als nebenamtlich oder gelegentlich auch ehrenamtlich Tätige kirchenmusikalische Grundversorgung in den Gemeinden zu gewährleisten. Sie bilden die Basis einer Kirchenmusikschaft, die das musikalische Leben in den Gemeinden flächendeckend und engmaschig gestaltet. Die Ausbildungsorganisation und Prüfung der nebenamtlichen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker ist grundsätzlich eine landeskirchliche Aufgabe, wobei die konkrete Durchführung der D- und C-Ausbildung in vielen Landeskirchen bei den Bezirkskantorinnen und Bezirkskantoren, das heißt auf Kirchenbezirksebene liegt. Anderswo erfolgt die Ausbildung in zentral organisierten Kursen beziehungsweise im Direkt- oder Fernstudium, zum Beispiel in einem Nebenzweig an einer Ausbildungsstätte für Kirchenmusik.

Hauptamtliche Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker, die auf B- oder A-Stellen - in Württemberg besteht eine davon abweichende Systematik - mit mehr als fünfzig Prozent Regelarbeitszeit tätig sind, werden benötigt, um das kirchenmusikalische Leben der Gemeinden professionell zu leiten, zu strukturieren, konkret zu gestalten und damit zugleich die Qualität der Kirchenmusik insgesamt zu sichern. Innerhalb des Aufgabenspektrums von hauptamtlichen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern wird dabei die Ausbildung und Begleitung der nebenamtlichen Kräfte immer wichtiger. Die Qualifikationen, die zur Übernahme einer hauptamtlichen Kirchenmusikerstelle befähigen, waren bislang die B- und die A-Prüfung, beides akademische Abschlüsse, die durch das Studium an einer Hochschule erworben werden.

Die Anforderungen dieser beiden Prüfungstypen wurden 2008 ebenfalls durch eine von der Evangelischen Direktorenkonferenz in ökumenischer Abstimmung verabschiedete Rahmenordnung neu geregelt. Die B- und die A-Prüfung wurden dabei, den Vorgaben des sogenannten Bologna-Prozesses entsprechend, in das Bachelor-/Mastersystem überführt: Beide Qualifikationen werden dabei künftig ausschließlich konsekutiv erworben. Die Regelstudienzeit für den Bachelor (früher B-Diplom) beträgt acht Semester; für den Erwerb des Masters (früher A-Diplom) sind weitere vier Semester Studium erforderlich. Die konkrete Umstellung auf das Bachelor-/Mastersystem haben inzwischen die meisten Ausbildungsinstitute durch neue Ausbildungsstrukturen und Prüfungsordnungen vorgenommen. Das Profil des Kirchenmusikstudiums ist breit angelegt, wobei vor allem im Masterstudium individuelle Schwerpunktsetzungen möglich sind. Die Ausbildung ist von hohem künstlerischen Anspruch geprägt, insbesondere in den Kernfächern Orgelliteraturspiel, Gemeindebegleitung/Improvisation und Chor- sowie Orchesterleitung. Gleichzeitig sollen stilistische Breite und musikpädagogisches Geschick vermittelt und Kompetenzen in theologischen Disziplinen erworben werden. Da das Studium trotz eines umfangreichen Fächerkanons bestimmte, für die spätere Berufspraxis wichtige Bereiche nicht adäquat abdecken kann, bestehen derzeit an einigen Stellen in der EKD Überlegungen, im Anschluss an bayerische und württembergische Vorbilder eine begleitete Berufseintrittsphase zu etablieren, die dazu dienen soll, in einer Art kirchenmusikalischem »Vikariat« weitere praktisch-theologische, kommunikative und pädagogische Kompetenzen zu erwerben und dabei Team- und Kommunikationsfähigkeit innerhalb der Gemeinde zu stärken. Derzeit kann man an zwanzig staatlichen und sechs kirchlichen Hochschulen evangelische Kirchenmusik studieren. Die Zahl der Kirchenmusikstudierenden ist seit Jahren rückläufig. Zum 1. November 2010 hat die Statistik der Evangelischen Direktorenkonferenz 356 Studierende erfasst, eine Zahl, die nach menschlichem Ermessen nicht ausreichen wird, um den künftigen Bedarf an kirchenmusikalischen Multiplikatoren zu decken. Es ist dringend nötig, durch attraktive Stellenprofile und Stellenumfänge sowie durch eine Vergütung, die der anderer akademischer Berufe vergleichbar ist, den Kirchenmusikberuf wieder für junge Menschen attraktiv zu machen. Eine angemessene Vergütung sollte sich insbesondere am Pfarrberuf oder am Lehrerberuf orientieren, beides Berufe, die bei der Wahl eines Studiums für an Kirchenmusik interessierte Menschen häufig die Alternativen darstellen.



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Publikationsdatum dieser Seite: 2018-01-23